Gender Budgeting in Freiburg am Beispiel "Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren"

Allgemeine Information 
In der Stadt Freiburg im Breisgau ist Gender Mainstreaming seit Jahren implementiert. Für die Einführung von Gender Budgeting war dies eine wichtige Grundlage. 

Gender Budgeting ergänzt als finanzpolitisches Instrument Gender Mainstreaming. Mit Gender Budgeting verbessert sich die Qualität und Wirksamkeit der öffentlichen Leistungen. Zusätzlich können Ressourcen passgenau aufgeteilt werden. 
Genderbezogene Informationen zu Haushaltsposten stellen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine gezielte Gleichstellungspolitik dar. 
Der Freiburger Gemeinderat beschloss 2007 das Projekt „Geschlechtersensibler Beteiligungshaushalt“ (Gender Budgeting) in Kooperation mit der Landesstiftung Baden-Württemberg durchzuführen. 
2010 entschied sich der Rat für eine stufenweise Umsetzung von Gender Budgeting. Gleichzeitig ist Gender Budgeting in die Zielvorgaben für das neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen integriert worden. 

In Deutschland praktizieren neben Freiburg vor allem das Land Berlin und die Stadt München Gender Budgeting.

Ziel und Zielgruppe
Das Ziel von Gender Budgeting ist eine sachgerechte und gleichstellungsorientierte Verteilung der Haushaltsmittel. Dabei werden die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern berücksichtigt. Einnahmen und Ausgaben werden daraufhin überprüft, ob sie die Gleichstellung der Geschlechter fördern oder gar Ungleichheiten hervorbringen.

Freiburg wendet Gender Budgeting unter anderem bei den Seniorenbegegnungsstätten an. Der zielgruppenorientierte Ansatz verknüpft das Merkmal "Geschlecht" mit weiteren sozialen Merkmalen wie Migrationshintergrund oder Alter. Es soll ein passgenauer Mitteleinsatz gesichert werden. Damit werden Grundlagen für Planungen und Gespräche mit Trägern gelegt, die eine Bezuschussung von der Stadt Freiburg erhalten. 

Das Projekt Budget-Nutzenanalyse im Bereich „Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren“
Für die geschlechtergerechtere Verwendung der Zuwendungsmittel wurde 2011 eine Teilerhebung bei den Begegnungsstätten von Seniorinnen und Senioren durchgeführt. Anhand einer Budget-Nutzenanalyse konnten unterrepräsentierte Zielgruppen identifiziert werden. 

Methode
Für die Budget-Nutzenanalyse 2011 wurden 18 Einrichtungen interviewt. Im Mittelpunkt standen Fragen nach den Konzepten, der Nutzung durch die Zielgruppen mit näheren Angaben zu den Besucherinnen und Besuchern sowie nach der Betriebskultur und dem Geschlechterrollenverständnis in der Einrichtung.

Zentrale Ergebnisse
Insgesamt nutzten wöchentlich 3.691 Seniorinnen und Senioren die Angebote der Begegnungsstätten. Aus der Analyse ließ sich ableiten, dass es Handlungsbedarf für die Aktivierung unterrepräsentierter Zielgruppen gibt:

  • Männer sind bisher als Zielgruppe trotz spezieller Angebote schwer erreichbar (Anteil der Männer 21,43 Prozent, Anteil der Frauen 78,57 Prozent),
  • jüngere Seniorinnen und Senioren sind unterrepräsentiert
  • zu wenige Migrantinnen und Migranten werden erreicht (nur ca. 5 Prozent)
  • Die Geschlechterverteilung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist weitgehend ausgeglichen. Dagegen gibt es lediglich zwei hauptamtlich Beschäftigte mit Migrationshintergrund.

Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der Budget-Nutzenanalyse
Zusammen mit den Leitungen der Seniorenbegegnungsstätten sollen die Maßnahmen weiterentwickelt und eine Sensibilisierung für Gender Mainstreaming ausgebaut werden. Dies wird zurzeit in einem Arbeitskreis unter der Leitung des städtischen Seniorenbüros bearbeitet. 
Ein wesentliches Ergebnis sind die neuen verbindlichen "Richtlinien zur Förderung von Seniorenbegegnungsstätten durch die Stadt Freiburg“. Im Jahr 2014 wird dem Gemeinderat zur Beschlussfassung die Aufnahme von genderrelevanten Aspekten in diese Richtlinien vorgelegt.

Damit mehr Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund die Angebote der Seniorenbegegnungsstätten nutzen, wird verstärkt auf die Überwindung und Beseitigung sprachlicher und kultureller Barrieren hingearbeitet.

Durch einen modern gestalteten mehrsprachigen Flyer kann eine weitere Öffnung und Vernetzung in das jeweilige Quartier erreicht werden. Außerdem könnten so jüngere Seniorinnen und Senioren als neue Zielgruppe gewonnen werden.

Besondere Wirkungen
Bei der Haushaltsplanung finden die Erkenntnisse aus der Budget-Nutzenanalyse Eingang. Dort, wo es besonderen Bedarf für ältere Frauen oder Männern - mit und ohne Migrationshintergrund - gibt, müssen Verbesserungen im Budget und im Personalbereich vorgenommen werden. 

Veröffentlichungen
Auf der Website der Stadt Freiburg finden sich die Informationsvorlagen zu Gender Budgeting-Projekten. Im Amt für Soziales und Senioren sind Budget-Nutzenanalyse sowie weitere Materialien zu Gender Budgeting einzusehen.

Ansprechperson

Dr. Cornelia Hösl-Kulike
Stadt Freiburg
Geschäftsstelle Gender Mainstreaming
Dezernat I - Stabsstelle des Oberbürgermeisters
Rathausplatz 2 - 4
79098 Freiburg im Breisgau
Telefon 0761 201 1900
Mobil 0151 64957878
E-Mail: cornelia.hoesl-kulike(at)stadt.freiburg.degender(at)stadt.freiburg.de 



Gender Budgeting im KreisJobCenter des Landkreises Marburg-Biedenkopf

Mit Hilfe des Gender Budgeting wird ein geschlechtsspezifischer Haushalt erstellt. Auf diese Weise wird die Strategie des Gender Mainstreaming im Bereich der Budgetpolitik umgesetzt und somit Einfluss auf die Gleichstellung von Frauen und Männern genommen. 

Allgemeine Informationen zum Projekt
Im Jobcenter des Landkreises Marburg-Biedenkopf wurde 2008 beschlossen, in einigen Bereichen Gender Budgeting einzuführen. Hierzu wurde eine bereits seit 2005 bestehende interdisziplinäre Gender Mainstreaming-Projektgruppe beauftragt. Es fand ein zweitägiger Workshop statt mit der Zielsetzung, Gender Mainstreaming und Gender Budgeting als Strategien (besser) zu erfassen, geschlechterbasierte Verzerrungen wahrzunehmen und eigene Rollenmuster zu reflektieren.

Ab 2009 wurden Analysen und Prozesse des Gender Budgeting in Teilbereichen durchgeführt. Dabei fiel eine strukturelle Benachteiligung von Frauen auf. Als besonders steuerungsrelevant wurden drei Aufgabenkreise erkannt:

  • Arbeitsgelegenheiten
  • Eingliederungszuschüsse
  • Förderung der beruflichen Weitebildung.

Folgerichtig wurde der Budgetanteil für Frauen in diesen Bereichen erhöht und spezielle Angebote für Frauen aus Bundesmitteln für Eingliederungsleistungen, aus kommunalen Mitteln und aus den Arbeitsmarktbudgets vom KreisJobCenter aufgebaut.

Ziele und Zielgruppen 
Die Erwerbsorientierungen und Handlungskompetenzen von Männern und Frauen sind unterschiedlich stark ausgeprägt und daher anders zu fördern. Bekanntlich spielt bei Frauen mit Kindern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wesentliche Rolle. Sie brauchen für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt einen ganzheitlichen Beratungsansatz. Dieser Anspruch ist vom Sozialgesetzbuch II (SGB) vorgesehen.

Daher sollen die Maßnahmen im Rahmen von Gender Budgeting vor allem Frauen und insbesondere alleinerziehende Mütter unterstützen durch:

  • finanzielle Mittel für den Aufbau von Rahmenbedingungen und die Entwicklung von Fördermaßnahmen für Frauen und ihre Familien
  • eine Erhöhung der Förderquote von Frauen und Alleinerziehenden.

Weitere Zielsetzungen von Gender Budgeting Projekt waren:

  • das Erheben geschlechterdifferenzierter Arbeitsmarktdaten und deren Auswertung
  • die Analyse von Einnahmen und Ausgaben zu den Auswirkungen auf die Gleichstellung von Männern und Frauen.

Zusammenfassung des Projektes
Die Frauenförderung des KreisJobCenters hat in zwei Jahren (2009 bis 2010) einige Bereiche massiv ausgebaut. Zur Förderung der Frauen in den Arbeitsmarkt sind folgende Maßnahmen und Angebote mit Information und Beratung sowie Kinderbetreuung umgesetzt worden:

  • Viermal jährlich kostenlose Informationsveranstaltungen im Rahmen des „Jobcafé“ zur Aktivierung von Erziehenden.
  • Mehrere „Schnupperkurse“ in gewerblich-technischen Berufen für Kundinnen und Kunden zur Berufsorientierung im Jahr 2010.
  • Schulung der Fallmanagerinnen und Fallmanager zur Sensibilisierung für Ausbildungs- und Arbeitsplatzchancen von Frauen in diesem Bereich.
  • Das KreisJobCenter hat im Rahmen der Frauen- und Familienförderung seine Dienste zur Unterstützung von Kundinnen und Kunden mit Kindern zentralisiert. In Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Beschäftigungs- und Bildungsgesellschaft sind diese im Kinder und Karriere (KuK)-Center zusammengefasst.
  • Das dortige Angebot umfasst mobile Familienbegleiterinnen und eine Kinderbetreuung. Dort können Eltern oder Alleinerziehende, die kurzfristig eine Berufstätigkeit, eine Ausbildung, ein Praktikum oder eine Maßnahme beginnen, ihre Kinder betreuen lassen. Das gilt auch für Kinder, die noch keinen Betreuungsplatz in einer öffentlichen Einrichtung bekommen haben. Ebenfalls wird ein Müttercafé angeboten.
  • Darüber hinaus wurden spezielle Vermittlungs- und Orientierungsangebote für Frauen und Alleinerziehende entwickelt. Dazu zählen ein Orientierungskurs für Alleinerziehende und Frauen vom KreisJobCenter in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. und die Jobakademie, in der die speziellen Lebenslagen und Bedürfnisse von Alleinerziehenden besondere Berücksichtigung erfahren.

Ergänzende Maßnahmen 
Hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigt die Erfahrung, dass es den Erziehenden, im Besonderen den Frauen aufgrund der Doppelbelastung immer wieder schwer fällt, an beruflichen Maßnahmen teilzunehmen. Um die Zugänge für diese Zielgruppe zu erleichtern, wurde 2011 auf Initiative des KreisJobCenters in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und weiteren Maßnahmeträgern das Gütesiegel „Familienfreundliche Maßnahme“ entwickelt.

Für familienfreundliche Maßnahmen gelten folgende Kriterien:

  • Die Anfangszeiten der Maßnahmen liegen zwischen 8 und 9 Uhr.
  • Die Wochenarbeitszeit kann auf 20 Stunden reduziert werden.
  • Fehlzeiten wegen Krankheit oder Ferien der Kinder können über Zeitkonten ausgeglichen werden.
  • Die Maßnahmen umfassen bis zu acht Wochen Schulferien.
  • Zu Beginn beraten die Bildungsträger zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie erstellen gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden Kinderbetreuungs- bzw. Pflegefahrpläne.

Veröffentlichung
Die Ergebnisse sind zusammengefasst im Gender Budgeting-Bericht 2012. Der Bericht steht zum Download auf der Website des KreisJobcenters Marburg-Biedenkopf zur Verfügung.

Ansprechperson
Frau Tanja Heinl
Landkreis Marburg-Biedenkopf 
KreisJobCenter
Raiffeisenstraße 6
35043 Marburg
Telefon: 06421 405-7159
E-Mail heinlt(at)marburg-biedenkopf.de

Gendergerechte Ernährung und Esskultur an Schulen

Das Ernährungsverhalten von Mädchen und Jungen unterscheidet sich und wird durch kulturelle Leitbilder von Weiblichkeit und Männlichkeit geprägt. Geschlechtsstereotype Zuschreibungen wie - Mädchen essen Obst und Gemüse, Jungen mehr Fleisch - spiegeln sich auch in der Verpflegung an Schulen wider. Ein gezielter Genderblick auf das Essverhalten und das Speisenangebot an Schulen ermöglicht eine Verpflegung jenseits stereotyper Rollenzuschreibungen.

Allgemeine Informationen
Das Projekt „Gender- und Nachhaltigkeitsaspekte in der Schulverpflegung in Österreich“ wurde im Zeitraum von 2008 bis 2009 durchgeführt. Die Studie wurde vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in Auftrag gegeben.

Ziele und Zielgruppen
Zentrales Anliegen des Projektes war, das Angebot an Speisen und Getränken für Mädchen und Jungen an Schulen gleichermaßen ansprechend zu gestalten.
Weitere Ziele :

  • Dokumentation des Forschungsstandes zu den Themenbereichen Gender, Nachhaltigkeit, Ernährung, Essverhalten und Verpflegung an Schulen und Internaten
  • Erfassen des Essverhaltens von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften
  • Untersuchungen zur Organisation und zu Partizipationsmöglichkeiten bei der Speiseplangestaltung
  • Entwicklung von Gender- und Nachhaltigkeitsaspekten in der Schulverpflegung.

Kurzbeschreibung des Projekts
Im Rahmen des Projektes wurden an sechs Schulstandorten Erhebungen zum Ernährungsverhalten und zur Esskultur von Schülerinnen und Schülern sowie des Schulpersonals durchgeführt. Erstmalig wurden geschlechterspezifische Aspekte abgefragt.
Die Ergebnisse der Untersuchung flossen in die Entwicklung von praxistauglichen Empfehlungen für die Schulverpflegung ein. 
Angeregt wurde,

  • vermehrt regionale Produkte in der Schulverpflegung einzusetzen,
  • die organisatorischen Rahmenbedingungen und das Ambiente der Schulverpflegung zu verbessern, 
  • Jungen und Mädchen für ein gesundes Angebot an Speisen und Getränken zu sensibilisieren.

Methoden
Bei der Auswahl der Schulen wurden Standorte berücksichtigt, an denen historisch eine Geschlechtertrennung bestand und noch heute ein Geschlecht dominiert.
Die Untersuchung erfolgte in Form

  • einer leitfadengestützten Befragung vor Ort,
  • von Besichtigungen und Fotodokumentationen,
  • einer Online-Befragung von Schülerinnen, Schülern und Schulpersonal,
  • eines vertiefenden Workshops mit Gruppen aus Schülerinnen und Schülern,
  • vertiefender Workshops mit den Entscheidungsgremien im Bereich Schulverpflegung.

Die Ergebnisse der Online-Befragungen wurden statistisch ausgewertet und beschrieben. Für die Auswertung wurden 912 Fragebögen von Jugendlichen im Alter von zehn bis 22 Jahren berücksichtigt, davon waren 591 der Befragten weiblich und 321männlich.

Besondere Effekte und Wirkungen
Bis zu dieser Untersuchung lagen im deutschsprachigen Raum kaum Daten zum Thema Gender-Aspekte in der schulischen Verpflegung für Jugendliche vor. Das Projekt leistete dazu wichtige Pionierarbeit. 

Veröffentlichungen 
Die Broschüre „Esskultur an Schulen – nachhaltig und gendergerecht gestalten“ kann im Webportal des österreichischen Forums Umweltbildung unter Publikationen/Forum Didaktik heruntergeladen oder bestellt werden. 

Kontakt:
Frau Rosemarie Zehetgruber
gutessen consulting
Kaiblinger & Zehetgruber OEG
Schönbrunnerstraße 61/13
1050 Wien
E-Mail rosemarie.zehetgruber(at)gutessen.at
www.gutessen.at

Gendergerechte Öffentlichkeitsarbeit

Die Qualität der Öffentlichkeitsarbeit durch Gender-Orientierung in Sprache und Bild steigern

Eine zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit berücksichtigt in besonderer Weise die Heterogenität von Zielgruppen - so auch die Geschlechterzugehörigkeit - und ist passgenau auf sie zugeschnitten.
Mittel der Öffentlichkeitsarbeit sind in erster Linie Texte für Print- und Onlinemedien,  das gesprochene Wort in Radio- und Telebeiträgen und das Internet. Außerdem sind bildliche Darstellungen in Form von Fotos und Grafiken sowie das Layout zu berücksichtigen, denn das verwendete Bildmaterial prägt die Vorstellungen und die Akzeptanz der Öffentlichkeitsarbeit besonders und hat eine unterschwellige Wirkung. Zentraler Bestandteil ist eine geschlechtssensible Sprache, die über die parallele Nennung beider Geschlechter oder Geschlechtsneutralität hinaus geht. Zum Beispiel werden Geschlechterstereotype durchbrochen, wenn Frauen und Männer regelmäßig mit ihrer Expertise zu Wort kommen.

Allgemeine Information zum Projekt
Die Stadt Köln hat sich im Zeitraum von 2009 bis 2011 intensiv mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt und sie gendergerecht gestaltet. Träger des Projekts war das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das für die umfassende Information der Bevölkerung und die Information und Betreuung der Medien zuständig ist. 

Ziel und Zielgruppe
Ziel war es, die Printprodukte der Stadt Köln gendergerecht und damit qualitätssteigernd zu verbessern. Je nach Fachgebiet sollte die jeweilige Zielgruppe definiert und das Material auf sie zugeschnitten werden.

Methoden
Um mit einem bestimmten Thema die anvisierte Zielgruppe  zu erreichen, wurde die Zielgruppe vorab analysiert und das Material adressatengerecht aufbereitet. Entsprechend wurde eine differenzierte Ansprache überlegt und angewandt. Das galt sowohl für die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter wie für das Bildmaterial. Hierbei wurde darauf geachtet, keine Rollenstereotype zu verfestigen.

Zusammenfassung des Projektes und Projektverlauf
Bei der Konzeption und Durchführung von Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit arbeiten das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die jeweiligen Fachdienststellen eng zusammen. Dazu zählt besonders die Herstellung von Informations- und Werbematerialien wie Broschüren, Prospekte, Plakate, Anzeigen, Filme, Schilder und Fahnen. Die Dienststellen verantworten hierbei die fachlichen Inhalte. 
Im Rahmen des Projekts wurde analysiert, inwieweit Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit die unterschiedlichen Lebenssituationen, Bedürfnisse und Interessen von Frauen und Männern von vornherein widerspiegeln. Damit sollten der Blick für eine zielgruppenorientierte Planung geschärft und die beabsichtigte Wirkung erhöht werden. 
Zusätzlich wurde eine Gender-Checkliste entwickelt, die im Rahmen eines Pilotprojektes erprobt wurde. Damit lässt sich u. a. prüfen, welche Botschaft durch die Maßnahme vermittelt wird, wen sie erreichen will, und ob die Sprache kreativ und gendergerecht gewählt wurde. Spezielle Flyer für bestimmte Zielgruppen, z. B. zur Werbung von Bewerberinnen und Bewerbern für die Städtische Feuerwehr oder für Gesundheit und Mobilität im Alter, wurden unter dem Fokus „Gender“ neu gestaltet und verbreitet.

Besondere Wirkungen und Effekte
Nach der Erprobungsphase wurde der Nutzen der Gender-Checkliste bewertet und dort, wo es notwendig war, wurden Anpassungen vorgenommen. Die Gender-Checkliste steht den Fachdienststellen zur Entwicklung von Veröffentlichungen zur Verfügung. So kann sichergestellt werden, dass bereits bei der Vorauswahl der Inhalte und der Bilder Gender Mainstreaming berücksichtigt wird.
Die Stadt Köln geht davon aus, dass eine gendergerechte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit neben der Information auch der Imagepflege der Stadt dient.

Veröffentlichungen 
Das Projekt ist auf der Website der Stadt Köln im Zweiten Gender Mainstreaming-Bericht dargestellt, ebenso ist die Gender-Checkliste im Anhang des Berichts nachzulesen.

Ansprechperson
Christiane Schmidt 
Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln
Telefon: 0221 221 260-80

Gendergerechte Spielplatzplanung im Bezirk Berlin Lichtenberg

Ist die Präsenz von Mädchen und Jungen in Außenräumen bis zum Ende der Grundschule noch ausgeglichen, so findet mit dem Eintritt in die Pubertät häufig ein Rückzug der Mädchen aus öffentlichen Räumen statt. Gleichzeitig erweitern sich die Aktionsräume von Jungen.
Das bestehende Spielangebot auf Außenplätzen ist für die Altersgruppe ab ca. elf Jahren häufig auf Jungen zugeschnitten. So findet man meist Bolz- und Streetballplätze sowie Basketballkörbe. Traditionelle Bewegungsbedürfnisse von Mädchen wie Inlineskaten und Ballspiele werden dagegen selten berücksichtigt. Die Lebenslagen von Mädchen und Jungen haben sich in den letzten Jahren erheblich geändert, was sich auch in der Planung und Gestaltung von Spielplätzen niederschlagen sollte.

Allgemeine Information zum Projekt
Der Bezirk Lichtenberg hat seit der Einführung von Gender Mainstreaming 2001 mehrere Pilotprojekte auf den Weg gebracht. Dafür wurden verschiedene Produkte unter Gender-Aspekten analysiert, darunter Öffentliche Spiel‐ und Bewegungsflächen. Das Pilotprojekt „Prüfung und Bewertung der öffentlichen Kinderspielplätze in Berlin‐Lichtenberg unter dem Gesichtspunkt von „Gender-Kriterien“ wurde im Zeitraum 2008 bis 2009 durchgeführt. Die Federführung lag beim zuständigen Amt für Umwelt und Natur, Fachbereich Landschaftsplanung, Bereich Spielplatzplanung.

Ziele und Zielgruppen
Ziel des Projektes war es, Nutzungsaspekte von öffentlichen Spielplätzen quantitativ und qualitativ zu erfassen, zu bewerten und konzeptionell weiter zu entwickeln. 
Im Fokus der geschlechterdifferenzierten Analyse standen Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Sie wurden in drei Altersgruppen unterteilt: Kleinkinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, Kinder von 6 bis 12 Jahren sowie Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren.

Zusammenfassung des Projekts und Projektverlauf
Im Bezirk Berlin‐Lichtenberg wurden 127 Spielplätze für eine geschlechterdifferenzierte Bewertung als geeignet eingestuft und anschließend begangen. Eine Arbeitsgruppe von bezirklichen Planerinnen und Planern, unterstützt durch eine Gender‐Beraterin, entwickelte einen Bewertungsbogen zum Ist-Zustand der Plätze.

Aus den Ergebnissen der Analyse ließ sich ableiten, dass

  • dringende Umgestaltungsbedarfe besonders dort bestehen wo Angsträume festgestellt wurden, die schnellstmöglich beseitigt werden sollten,
  • bei der Planung die Kooperation mit Kinder‐ und Jugendbeauftragten, Kiezbeauftragten und Baubeiräten sehr wichtig ist,
  • eine genderadäquate zukünftige Planung von Spiel‐ und Freiflächen die Durchführung gendersensibler Beteiligungsverfahren erfordert.

Darüber hinaus zeigte das Pilotprojekt, dass weitere Dimensionen wie Alter, Mobilität und Migration dringend in Planungsprozesse von Spielflächen einbezogen werden müssen.

Methoden
Insgesamt fanden im Projektzeitraum 1.667 Spielplatzbegehungen auf 127 Spielplätzen zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Wochentagen sowie an Wochenenden statt, die jeweils 30 Minuten dauerten. So konnte für jeden der untersuchten Spielplätze eine umfangreiche Arbeitsmappe angelegt werden, die die Bestandserfassung mit Fotos, Bewertungsbogen und Detailpläne enthielt. Die verwendeten Bewertungsbögen zielten ab auf die

  • Bewertung des Bestandes,
  • Nutzungs‐ und Bestandskontrolle,
  • Pflege des Bestandes und die
  • Sicherheit des Bestandes.

Mittels der Auswertung der Bewertungsbögen ließen sich das Alter der vorhandenen Ausrüstung und Geräte, der Stand der Sanierung, räumliche Fallen und Angsträume sowie geschlechtsspezifische Angebote, aufspüren.

Besondere Effekte und Wirkungen
Im Rahmen der durchgeführten Nutzungsanalyse wurden zwei Spielflächen bewertet, die bereits 2006 mittels Beteiligungsverfahren genderorientiert umgestaltet wurden. Das Ergebnis: Beide Anlagen werden sowohl von Mädchen als auch von Jungen und Familien intensiv genutzt.

Veröffentlichungen 
Eine Zusammenfassung des Pilotprojektes sowie Gender-Kriterien zum Produkt öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen enthält die Broschüre Spielplätze in Lichtenberg – Genderspezifische Analyse der Nutzung kommunaler Anlagen. Sie kann auf der Website der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Berlin-Lichtenberg heruntergeladen werden.

Ansprechperson
Frau Karin Zurek
Amt für Umwelt- und Naturschutz
Tel.: 030 90296-4285
E-Mail karin.zurek(at)lichtenberg.berlin.de

Weitere Beispiele guter Praxis
Unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen von Mädchen und Jungen an der (Mit-)Gestaltung ihrer Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsräume systematisch zu berücksichtigen, war Zielsetzung des rheinland-pfälzischen Beteiligungsprojekts Zukunfts(t)räume.

Im Rahmen des Aktionsprogramms „Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz“ wurde die Spielleitplanung ins Leben gerufen. Sie ist ein strategisches Instrument, das den Gemeinden und Städten ermöglicht, kinder- und jugendgerechte Planungen zu einem Schwerpunkt ihrer Kommunalpolitik zu machen. 
Das Projekt zielt darauf ab, bei der räumlichen Gesamtentwicklung von Städten und Gemeinden, beispielsweise der Neuplanung oder Umgestaltung von Erlebnisflächen, Kinder und Jugendliche konsequent von Anfang an zu beteiligen. 
Dabei gilt es, die möglicherweise unterschiedlichen Interessen von Mädchen und Jungen zu analysieren und bei der Umsetzung systematisch zu berücksichtigen.

Gender Mainstreaming in der Freiflächennutzung

Gender Mainstreaming in der räumlichen und städtebaulichen Planung berücksichtigt unterschiedliche Lebenssituationen und Interessen von Bürgerinnen und Bürgern. Erforderlich dafür sind differenzierte Bestandsanalysen, aufgeschlüsselt nach Alter, Mobilität und sozialer Herkunft. Um tradierte geschlechterspezifische Rollenzuschreibungen zu überwinden, ist es außerdem wichtig, die Ursachen für die unterschiedlichen Wünsche von Frauen und Männern zu ermitteln. 

Forschungsprojekt „Genderdifferenzierte Freiflächennutzung durch ältere Menschen“

Auch in Frankfurt am Main steigt der Anteil der älter werdenden Bevölkerung stetig. Viele ältere Menschen möchten sich nicht nur geistig, sondern auch körperlich fit halten. Zunehmende Nachfragen nach speziellen Angeboten für Seniorinnen und Senioren stellten das Grünflächenamt der Stadt vor die Aufgabe, sich mit den aktuellen Entwicklungen intensiver auseinanderzusetzen.

Das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt hat in einem Forschungsprojekt mit der Fachhochschule Wiesbaden, in Kooperation mit dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt, Freizeitgewohnheiten von Menschen über 50 Jahren untersucht. Das Ergebnis wurde Ende 2008 vorgelegt. 

Ziele und Zielgruppe
Die Stadt Frankfurt verfolgt das Ziel, attraktive Fitnessanlagen für Seniorinnen und Senioren im Stadtgebiet zu schaffen. Hierfür sollte die aktuelle Nutzung von Freiflächen sowie die Wünsche und Bedürfnisse von Älteren erfasst werden. Die Durchführung des Projektes sollte vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zudem wichtige Erkenntnisse über die Nutzung bereits bestehender Fitnessparcours bringen. Auf diese Weise sollte eine breitere Wissensbasis für eine nutzungsfreundliche Freiflächengestaltung geschaffen werden. 

Zusammenfassung der Ergebnisse
Die Untersuchung ergab, dass die Hälfte der befragte Männer und Frauen Interesse an einem Fitnessparcour haben und ihn auch nutzen würden. Mit zunehmendem Alter nimmt das Interesse an einer Nutzung allerdings ab.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern ließen sich nicht generell feststellen. Allerdings ergaben sich geschlechterbezogene Vorlieben für Gerätetypen. Frauen nutzen gerne Geräte mit moderaten Anforderungen, die einfach zu handhaben sind. Sie interessieren sich stärker für Wellnessangebote und gemeinsame Spiele. Die befragten Männer bevorzugten hingegen eher sportlich herausfordernde Aktivitäten. Insgesamt zeigten die Untersuchungen der Fitnessparcours, dass die Nutzungsprofile je nach Gerätetyp und Umfeldbedingungen sehr unterschiedlich sein können.

Zwei an den Ergebnissen der Studie ausgerichtete Fitness-Anlagen wurden seitdem gebaut: Die Rose-Schlösinger-Anlage und die Fitnessanlage Elli-Lucht-Park. 

Methoden
Entsprechend der Zielsetzung wurde mit unterschiedlichen Ansätzen vorgegangen. 
Die Fragen zur Freiflächennutzung wurden mittels 180 Einzelinterviews mit älteren Personen (ab 50 Jahren bis hochbetagt) und anhand standardisierter Fragebögen beantwortet. 

Die Erhebung zur Nutzung bestehender Fitnessparcours wurde geschlechter- und altersdifferenziert durchgeführt. Folgende Fragen waren maßgeblich:

  • Welche Altersgruppen nutzen die Fitnessparcours?
  • Werden die Anlagen von älteren Personen ab 50 Jahren angenommen?
  • Werden sie generationsübergreifend genutzt?
  • Sind sie gleichermaßen für Frauen und Männer attraktiv?
  • Welche Voraussetzungen sind für eine Nutzung durch Ältere förderlich?

Für die Befragungen wurden sechs bestehende Parcours in München, Nürnberg und
Berlin sowie zwei Anlagen im Frankfurter Raum ausgewählt. Die Durchführung erfolgte durch Zählungen und Nutzungskartierungen vor Ort. 

Veröffentlichung
Die Zusammenfassung des Forschungsberichtes Senioren-Freiräume können Sie herunterladen im Webportal der Stadt Frankfurt unter Rathaus/Ämter und Institutionen/Grünflächenamt/Senioren-Fitnessanlagen. 

Ansprechpersonen 
Stadt Frankfurt a. M.
Grünflächenamt
Mörfelder Landstraße 6
60598 Frankfurt am Main 
Telefon: 069 212-30202
Fax: 069 212-31039
E-Mail gruenflaechenamt(at)stadt-frankfurt.de

Hochschule Geisenheim University
Prof. Dr. Grit Hottenträger
Von-Lade-Straße 1
65366 Geisenheim
Telefon: 0622 502-473
Grit.Hottentraeger(at)hs-gm.de

Weitere Beispiele guter Praxis

Wie eine an den Bedürfnissen von Frauen und Männern ausgerichtete Planung eines sanierungsbedürftigen innerstädtischen Wohnblocks und eines Sporthallenumbaus aussehen könnte, zeigt die Broschüre "Gender Mainstreaming in der räumlichen Planung - Gender Planning - Von Peking über Amsterdam in die Westpfalz" auf.

Mit dem Modellprojekt "Rheinpfalz - Region auf Genderkurs" wurde im  Zeitraum 2004 bis 2006 das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der planerischen Praxis am Beispiel von drei Modellgemeinden begleitet und gefördert. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Projekt sind der Handreichung Gender-Kompass 2008 - So wird Planung eine runde Sache zu entnehmen.

Gender Mainstreaming in der Personalarbeit

Die Umsetzung betrieblicher Gleichstellung bei der Stadt München

Allgemeine Information
Für die Landeshauptstadt München ist der Gender Mainstreaming-Ansatz nicht neu. Seit 1985 hat die Gleichstellungsstelle die Verwirklichung von Chancengleichheit als Querschnittsaufgabe definiert und damit ein wesentliches Merkmal von Gender Mainstreaming implementiert. Darüber hinaus gibt es seit den 90er Jahren in allen Referaten Fachstellen, die sich mit Fragen der Geschlechtergerechtigkeit in ihren Fachbereichen befassen. 
Im Jahr 2000 wurden Leitsätze zur betrieblichen Gleichstellung formuliert, die dem Gender Mainstreaming-Prinzip verpflichtet sind. 2009 wurden sie fortgeschrieben. 

Ziele und Zielgruppen
Das Personal- und Organisationsreferat hat ein breites Spektrum an Instrumenten implementiert. Ziel ist, eine intensive und wirksame, genderorientierte Personalentwicklung bei der Stadtverwaltung aufzustellen und voranzutreiben. Die Ziele und Maßnahmen gelten gleichermaßen für die Landeshauptstadt München wie für ihre Eigenbetriebe und ihre Beschäftigten. 

Zusammenfassung und Prozessverlauf 

Das Gleichstellungskonzept für die Personalarbeit ist in vier Kapitel gegliedert:

  • Berufliche Entwicklung
  • familienfreundliche Personalpolitik
  • Berichtswesen (Bericht zur Umsetzung und Gleichstellungsbericht)
  • Gender Budgeting in der betrieblichen Gleichstellung.

Eine gute Verzahnung der einzelnen Bestandteile ist allen Beteiligten wichtig. Der Gender Mainstreaming-Ansatz ist durchgehend integriert. Besonderes Gewicht wird auf nachfolgende Bereiche gelegt.

Personalauswahlverfahren

Seit 2011 nehmen alle Personen, die regelmäßig an Auswahlverfahren beteiligt sind, an Schulungen zu „Gender- und interkulturelle Kompetenz in der Personalauswahl“ teil. Schon bei der Stellenausschreibungen wird auf geschlechtergerechte Formulierungen Wert gelegt, auf den Antidiskriminierungsgrundsatz hingewiesen. Gleichzeitig werden Frauen zur Abgabe einer Bewerbung ermuntert. Außerdem enthalten über 99 Prozent aller Stellenausschreibungen den Zusatz: „Die Beschäftigung ist in Teilzeit und Vollzeit möglich.“
Da mittlerweile der berufliche Wiedereinstieg von Frauen nach einer rund einjährigen Familienpause erfolgt, ist mit einem weiteren Anstieg des Frauenanteils zu rechnen. Außerdem wird neben dem kontinuierlichen Abbau der Männerdomänen für die Öffnung traditioneller Frauenberufe für Männer geworben. Berufsbilder werden attraktiv für beide Geschlechter gestaltet. 

Leistungsbeurteilung 
Die dienstliche Beurteilung ist für Beamtinnen und Beamte gesetzlich vorgeschrieben und wird aus Gleichbehandlungsgründen auch für Tarifbeschäftigte erstellt. Darin werden die Aufgaben der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters beschrieben sowie die Merkmale „Eignung“, „Befähigung“ und „fachliche Leistung“ beurteilt. Die Beurteilungsrichtlinien der Landeshauptstadt München enthalten u. a. eine Reflektionshilfe, um Führungskräfte für die eigenen Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster zu sensibilisieren. 
Besondere Aufmerksamkeit wird dem unbewussten Einfluss von Geschlechterrollenstereotypen gewidmet. In der dienstlichen Beurteilung wird systematisch der Arbeitserfolg bewertet, unabhängig davon, ob die Leistung von einem Mann oder einer Frau erbracht wurde. Bei Führungskräften werden zusätzlich zu Führungs- und Leitungsaufgaben die Zusammenarbeit und die Kommunikationsfähigkeit sowie die Entwicklung von Verwendungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewertet.

Frauen in Führungspositionen

Analysen des Personalbestands hatten 2001 ergeben, dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert waren. Mit Zielvereinbarungen, welche die einzelnen Organisationseinheiten mit dem Personal- und Organisationsreferat abschlossen, wurde die Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen befördert. Mit großem Erfolg. Durch systematische Maßnahmen konnte der Frauenanteil in Führungspositionen insgesamt auf 47 Prozent gesteigert werden. 
Parität zwischen Frauen und Männern gibt es allerdings noch nicht in allen Besoldungs- und Entgeltgruppen. Daher werden Frauen mit Führungspotential besonders motiviert, sich auf Führungspositionen zu bewerben. Ziel ist, sie entsprechend ihrem Anteil in den Laufbahngruppen am Aufstiegsverfahren zu beteiligen. Auch Führung in Teilzeit wird gefördert. 18 Prozent aller Führungspositionen werden in Teilzeit ausgeübt. 

Vereinbarkeit Beruf und Privatleben
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist wesentlicher Bestandteil der betrieblichen Gleichstellungs- und Personalpolitik. Sie engagiert sich u. a. für Teilzeitarbeit, Elternzeit, Beurlaubung, Wiedereinstieg, die betriebliche Kinderbetreuung und sorgt für Beschäftigte, die andere Familienmitglieder pflegen. Zum 01. Juli 2013 wurde die Familienpflegezeit eingeführt. Die Integration unterschiedlicher Lebensentwürfe und Lebenslagen in den betrieblichen Alltag ist ein wichtiges Anliegen der Personalarbeit.

Controlling
Das Personal- und Organisationsreferat verankert die Ziele und Inhalte der Leitsätze 2009 in dem jeweiligen fachlichen Zuständigkeitsbereich. Dort unterliegen sie einem Controlling. Eine Überprüfung findet im jährlichen Standardbericht statt. Alle fünf Jahre wird das Thema Gleichstellung außerdem in einem Sonderbericht – entsprechend dem Bayerischen Gleichstellungsgesetz (BayGlG) – separat ausgewiesen. Auf der Basis der neuen Leitsätze wird dies erstmals im Jahr 2014 der Fall sein.

Methoden
Besonderer Wert wird auf den Erwerb von Genderkompetenz gelegt. Die Dimension Geschlecht und die spezifischen Interessenslagen von Frauen und Männern werden in allen Fort- und Weiterbildungsangeboten berücksichtigt. Alle hauptamtlichen Ausbilderinnen und Ausbilder wurden in den Methoden einer geschlechterdifferenzierten und zielgruppenorientierten Pädagogik geschult. Ebenso werden Nachwuchskräfte während ihrer Ausbildung zum Thema „Gender Mainstreaming“ unterrichtet. 
Bei internen und externen Trainerinnen und Trainer werden Gender-Kenntnisse vorausgesetzt.

Besondere Wirkungen und Effekte
Angesichts des demographischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels erhält die Landeshauptstadt München Konkurrenz auf dem Gebiet modernen Personalwesens. Immer mehr Unternehmen entdecken die Themen Gender Mainstreaming, Frauenförderung und Familienfreundlichkeit. Diese gelten als attraktive Personalmaßnahmen, um gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Die Personalpolitik der Stadt reagiert darauf mit dem Ausbau von Maßnahmen zur geschlechtergerechten Personalarbeit. 

Veröffentlichungen 
Landeshauptstadt München/Personal- und Organisationsreferat: 
Gleichstellungskonzept. Leitsätze 2009 zur betrieblichen Gleichstellung von Frauen und Männern. 1. Auflage, München 2010
Die Broschüre befindet sich auf der Website der Stadt München unter Betriebliche Gleichstellung. 
Weitere Veröffentlichungen zu den oben genannten Einzelthemen befinden sich auf den Unterseiten des Personal- und Organisationsreferates.

Ansprechperson
Dr. Sylvia Dietmaier-Jebara
Landeshauptstadt München
Personal- und Organisationsreferat 
Personalentwicklung
Tel.: 089 233-92254
E-Mail: p502.por(at)muenchen.de

Gender-Orientierung und Gesundheit

Gesunde Universität Mainz

Frauen und Männer unterscheiden sich in ihrem Gesundheitsbewusstsein und -befinden, ihrem Gesundheitsverhalten, ihrem Krankheitsspektrum sowie auch in ihrer Krankheitsbewältigung. Außerdem hängt der Zugang zu gesundheitsvorsorgenden Maßnahmen von sozioökonomischen Variablen ab wie etwa Schicht, Lebensform, Bildungs- oder Migrationshintergrund. Dem trägt eine genderorientierte Gesundheitspolitik Rechnung.
Betriebswirtschaftlich gesehen stellt sich vor dem Hintergrund einer Überalterung der Gesellschaft für viele Unternehmen die Frage, wie sich die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten und fördern lassen. Aus Sicht der Beschäftigten interessiert beim Thema betriebliche Gesundheit besonders die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz sowie die Bewältigung der zu erledigenden Aufgaben. 

Allgemeine Information 
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat ein Projekt „Gesunde Uni Mainz“ von Mitte 2009 bis Beginn des Jahres 2012 für ihre Belegschaft durchgeführt, in das die Gender-Perspektive als Querschnittsthema integriert war. Bei der Umsetzung waren viele Bereiche der Universität in einen breit gefächerten Gesundheitszirkel einbezogen, um gemeinsam universitäre Strukturen so zu verändern, dass sie der Gesundheit zuträglicher sind. 

Ziele und Zielgruppe
Mit dem Projekt „Gesunde Uni Mainz“ sollte die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesteigert werden. Daraus ergaben sich folgende Teilziele für das Projekt:

  • Stärkung der physischen und psychischen Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
  • Implementierung der Gesundheitsförderung in die bestehenden Strukturen der Universität,
  • Etablieren von Gesundheitsförderung als Teilaspekt der Universität,
  • Einbeziehen der wissenschaftlichen Grundlagen für die Gesundheitsförderung,
  • Ausweiten in der Gesundheitsförderung auf Studierende,
  • Information der Beschäftigten über die vielfältigen Kurs-Angebote.

Zusammenfassung des Projekts und Projektverlauf
Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Programms lag in der Motivation der Belegschaft für eine gesunde Lebensweise. Dazu gab es zahlreiche Einzelprojekte:

  • ein Gesundheitstag pro Jahr für alle Beschäftigten unter einem Spezialthema,
  • vielfältige Gesundheitsseminare,
  • Entwöhnung vom Rauchen und Bewegungsförderung durch Aktionen zum Radfahren zur Arbeit,
  • Befragung der Beschäftigten zum Thema Gesundheit.

Außerdem wurde eine Website eingerichtet mit Informationen zu Gesundheitsthemen, u. a. Frauengesundheit und Männergesundheit.

Methoden
Um die Besonderheiten der Arbeits- und Lebenssituationen und die gesundheitliche Lage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erfassen, wurde eine nach Geschlecht differenzierte Befragung durchgeführt. Gleichzeitig sollte die bisherige Gesundheitsförderung einer umfassenden Evaluation unterzogen werden. Die Ergebnisse wurden in das Gesundheitsprogramm integriert. 
Als Antwort auf die Wünsche der Beschäftigten wurde eine Reihe von attraktiven Maßnahmen entwickelt – angefangen von Seminaren zu gesunder Ernährung oder Einkaufsverhalten bis zu Sportkursen wie Yoga oder Pilates.  Besonders geworben wurde für die gesundheitsfördernden Kurse der Personalfortbildung und des Frauenbüros sowie für das Programm des Allgemeinen Hochschulsports und auch auf die Sucht- und Konfliktberatung, die Raucher-Sprechstunde, die Ernährungsberatung und den Gesundheits-Checkup der Sportmedizin wurde hingewiesen.     

Besondere Effekte und Wirkungen
Den Fragebogen, der der Evaluation zugrunde lag, haben 30 Prozent der Beschäftigten beantwortet, davon 61,7 Prozent Frauen, aber nur 28,3 Prozent der Männer. Auch das Seminarangebot wird stärker von Mitarbeiterinnen als von Mitarbeitern angenommen, obwohl das Programm die unterschiedlichen Interessen der Beschäftigten, wie sie sich auch aus der Befragung ergeben hatten, berücksichtigt.

Veröffentlichungen 
Das Gesundheitsprojekt ist auf der Website der Universität Mainz dargestellt, ebenso der Gesundheitsbericht zur Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ansprechperson
Gesunde Universität Mainz 
Elke Karrenberg
Personalentwicklung 
Tel.: 06131 39-20634

 

 

 

Gender und Schule_Projekt „mach es gleich - gender & schule“

Die Schule nimmt in der Entwicklung der Geschlechteridentität von Mädchen und Jungen eine wesentliche Rolle ein. Allerdings existieren selbst im Bildungsbereich immer noch tradierte Rollenbilder. 

Allgemeine Informationen zum Projekt
Die Umsetzung des Projektes „mach es gleich - gender & schule“ erfolgte im Rahmen des Interreg VI Programms „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein.“ Es handelte sich um ein Regionalprogramm der Europäischen Union (EU) zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Von 2010 bis 2012 hat die Chancengleichheitsstelle Konstanz das Projekt durchgeführt. Es bestand eine Kooperation mit der Frauen- und Familienbeauftragten des Bodenseekreises und dem Referat für Frauen und Gleichstellung Voralberg.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website der Stadt Konstanz unter der Rubrik Soziales/Chancengleichheitsstelle.

Ziele und Zielgruppe
Ziel des Projektes war der Abbau von Stereotypen der Geschlechterrollen in den Schulen und eine Annäherung an die tatsächliche Chancengleichheit für Mädchen und Jungen.

Zusammenfassung des Projekts
In dem länderübergreifenden Projekt haben insgesamt elf Schulklassen in fünf Hauptschulen in Konstanz, Friedrichshafen und Überlingen sowie Bürs in Österreich teilgenommen. Insgesamt waren 210 Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe beteiligt. Es gab Workshops, die von einem pädagogischen Team geleitet wurden. Mit den Schülerinnen und Schülern wurden Methoden erprobt, weiterentwickelt und anschließend evaluiert. Des Weiteren gab es Maßnahmen für Eltern und Lehrpersonen. 
Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erfahrungen sind in der Unterrichtsmappe „mach es gleich!“ zusammengefasst. Das anschaulich zusammengefasste Material für Schulen beabsichtigt:

  • Lehrkräfte für Geschlechterfragen zu sensibilisieren
  • geschlechtergerechten Unterricht zu fördern
  • schulische Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Thema Gender in den Planungs- und Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.

Maßnahmen und Methoden
2010 bildeten die gender.werkstätten in Deutschland und Österreich den Auftakt. Die Einführung in das Thema "Gender" richtete sich an alle beteiligten Schulleitungen, Lehrkräfte und an die Schulsozialarbeit. 2011 folgte ein Elternabend an einer Modellschule in Österreich. Die Eltern wurden über das Gesamtprojekt und die Inhalte der Workshops informiert. Anknüpfend fand ein gender.schulfest statt. In fünf Workshops wurde dargestellt, wie das System „Schule“ unter verschiedenen Zugängen zum Thema "Gender und Schule" erreicht werden kann. 
Im Oktober 2011 fand eine gemeinsame gender schulung für Lehrkräfte aus Deutschland und Österreich statt. Dabei gab es Einblicke in die Gendert-Theorie und -Praxis. In verschiedenen Übungen zum Thema „Gender im Kontext Schule“ wurden die Lehrerinnen und Lehrer sensibilisiert. 

In den Modellschulen nahmen Schülerinnen und Schüler von 2011 bis 2012 an fünf halbtägigen Workshops in geschlechtergemischten und geschlechtsgetrennten Gruppen zu folgenden Schwerpunkten teil:

  • Gender und Beziehungen
  • Körper und Leiblichkeit
  • Arbeit, Leistung und Freizeit
  • Gender und Schule
  • Medien und Gender-Transfer.

Den Abschluss des Projektes bildete im Oktober 2012 eine gender.reflexion in Friedrichshafen. 

Evaluation
Das Gesamtprojekt wurde mittels qualitativer und quantitativer Methoden evaluiert. Die Mappe „mach es gleich!“ und die Workshops wurden erschlossen. Nach jeder Einheit haben die Schülerinnen und Schüler sowie das pädagogische Team einen anonymisierten Fragebogen ausgefüllt. Die Reflexionen der Teams mit der Projektleitung und offene Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler aus den Workshops wurden in die Evaluation einbezogen.

Das Ergebnis zeigte, dass bei vielen Jugendlichen das Wort "gender" negativ besetzt ist. Demnach erscheint es begründet, den Mädchen und Jungen persönliche Bezüge zu ihrer Lebenswelt über Beziehungen, Erwerbsarbeit, Körper oder Medien in den Schulen hierzu zu verhelfen.

Veröffentlichung
Die Unterrichtsmappe „mach es gleich! gender & schule“ enthält neben zahlreichen Methoden, Anregungen und Übungen auch theoretische Fachinformationen zu verschiedenen Fachautorinnen- und autoren sowie aktuelle Forschungsergebnisse. 
Sie finden die Broschüre zum Herunterladen im Webportal der Chancengleichheitsstelle der Stadt Konstanz.

Ansprechperson
Frau Christa Albrecht
Stadt Konstanz
Stabsstelle für Chancengleichheit
Kanzleistr. 15
78459 Konstanz
Telefon 07531 900-285
Telefax  07531 900-295
E-Mail: AlbrechtC(at)stadt.konstanz.de